Pressemitteilungen 2010

Jenaer Philatelisten machen auch nach 120 Jahren weiter

26.10.2010

http://www.tlz.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Jenaer-Philatelisten-m...

Auch wenn die Briefmarke immer mehr in den Schatten der elektronischen Post gedrängt wird sie lebt noch. Zu verdanken ist dies im wesentlichen den Philatelisten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, dieses Kulturerbe zu bewahren. Seit 120 Jahren wird in Jena organisiert gesammelt.

   

Prost: 120 Jahre Jenaer Philatelisten mit Magret Franz.

Jena. Das Jubiläum begingen die Jenaer Philatelisten e.V. mit einer Feier und Börse in der Mensa Philosophenweg. Vertreter befreundeter Vereine waren aus diesem Anlass nach Jena gekommen und erhielten so am Sonnabend einen Eindruck sowohl von der 500-jährigen Postgeschichte Jenas als auch der Vereinsgeschichte selbst. Erstere hat der Sammlerfreund auf 75 sehr lesenswerten Seiten niedergeschrieben, letztere wird demnächst als gedruckte Vereins-Chronik erscheinen.

Jenaer Postkarte von 1912

Die Briefmarke war, so machte Walter Hörichs in seinem Festvortrag deutlich, im 19. Jahrhundert das wichtigste Hilfsmittel zur Kommunikation und sofort weltweit eingeführt worden. Bereits 1869 waren Briefmarken so attraktiv, dass sich in Heidelberg der erste Sammlerverein gründete, in Jena war es am 7. September 1890 soweit. Im Vereinslokal, dem Gasthaus "Zum Löwen" in der Bachstraße, trafen sich alle 14 Tage die Sammler gut betuchte Beamte, Geschäftsleute und Militärs, um ihr kostspieliges Hobby zu pflegen. Doch währte das Vereinsleben nicht allzu lange. Zehn Jahre später, am 18. November 1900, kam es zur Neugründung des Vereins, der fortan in der "Wolfsschlucht" in der Schlossgasse tagte. 1914 bereitete der Krieg dem Vereinsleben ein Ende. Im Januar 1919 gab es die nächste Gründung, danach sorgte die Inflation für Sammlerschwund, bis sich ab 1924 das Vereinsleben mit 80 Mitgliedern stabilisierte und 1928 sogar Jugendgruppen eröffnet wurden. In die Nazi-Zeit fiel die 1.ThüPosta in Jena, eine Ausstellung mit großer Resonanz. 1945 kam wieder das Ende des Vereins, doch blieb die "Hopfenblüte" trotz Vereinsverbotes durch die Besatzungsmacht Sammlertreff.

Seit dem 28. Januar 1949 durfte wieder legal, jetzt unter dem Dach des Kulturbundes, gesammelt werden. Bis in die 80er Jahre stieg die Zahl der organisierten Sammler auf fast 1000 an. (Das schaffte für die Genossen vom MfS, Abteilung M/Postkontrolle im Jenaer Postamt, erschwerte Bedingungen, da sie fast den gesamten grenzüberschreitenden Postverkehr überwachten). Nach 1990 gründeten sich zwei Vereine neu, davon ging der Briefmarkensammlerverein Carl Zeiss 1998 in den Jenaer Philatelisten e. V. über. Die heute noch 60 Sammler, meist betagt, hoffen auf Nachwuchs, der ihr Hobby auch im elektronischen Zeitalter weiter trägt.

Frank Döbert / 26.10.10 / OTZ

nach oben