Pressemitteilungen 2015

        Jenas Philatelisten übergeben Spende für Flüchtlinge in Jena-Lobeda

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Jenas Philatelisten haben im September ihr 125-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei dachten die Mitglieder nicht nur an sich. Sie organisierten auch eine Spendenaktion.
 
Wilfried Koksch (l.) und Gerhard Döring (r.) von den Jenaer Philatelisten übergeben Jena-Lobedas Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt (SPD) die Spende. Foto: Bürgerhaus Lisa

 

 

 

Wilfried Koksch (l.) und Gerhard Döring (r.) von den Jenaer Philatelisten 
 übergeben   Jena-Lobedas Orsteilbürgermeister Volker Blumentritt (SPD)  
 die Spende. Foto: Bürgerhaus LISA  
      

    Jena. Zur traditionellen Herbstbörse der Jenaer Philatelisten im Tauschlokal im Stadtteilzentrum Lisa in Jena-Lobeda ist am Sonnabend getauscht und gefachsimpelt worden. Die Gelegenheit nutzten Vereinschef Wilfried Koksch und sein Stellvertreter Gerhard Döring für eine Spendenübergabe. Lobedas Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt (SPD) nahm einen Scheck in Höhe von 50 Euro entgegen. Unterstützt werden sollen damit Flüchtlinge. Gesammelt wurde das Geld im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Jenaer Philatelisten Anfang September. Seinerzeit feierten sie ihr 125-jähriges Vereinsbestehen. Gegründet wurde der Verein der Briefmarkensammler in Jena 1890. Für die Sammlerfreunde war dies Grund genug, dieses Ereignis mit einem Sonderstempel und einem dazu passenden Sonderumschlag zu würdigen. Während der Sonderumschlag neben dem Vereinslogo auch das Gründungslokal „Zum Löwen“ (das heutige F-Haus) darstellt, weist der Sonderstempel auf das Jubiläum der organisierten Philatelie hin. Bildlich ist das Gasthaus „Grüne Tanne“ dargestellt, in der vor 200 Jahren die Urburschenschaft gegründet wurde. Hier fand am 7. September die Festveranstaltung statt. Blumentritt ist dankbar für das Engagement. „Hier wird unsere Willkommenskultur in Lobeda unterstützt.“

OTZ / 16.11.15 / OTZ

 

 

Sonderstempel zum Schuljubiläum in Arnstadt

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Eckart Bergmann / 07.10.15 / TA (Eckart Bergmann ist Ehrenvorsitzender im Landesverband Thüringer Philatelisten)

Arnstadt (Ilm-Kreis).

Anlass ist die Einweihung des Fürst-Günther-Gymnasiums in Arnstadt am 18. Oktober 1915.

   

Sonderstempel aus Anlass des 100. Jubiläums der Einweihung des ehemaligen Fürst-Günther-Gymnasiums in Arnstadt vom 18. Oktober 1915. Foto: Deutsche Post

 

Die Ausstellung im Gebäude der ehemaligen „Fürst Günther Schule“ in Arnstadt (zuletzt das Neideck-Gymnasium) am 24. Oktober 2015 findet aus Anlass des 100. Jubiläums der Schuleinweihung vom 18. Oktober 1915 statt.

Unter Mitwirkung des Briefmarkensammler-Vereins Arnstadt wird die Veranstaltung durch die Herausgabe philatelistisch-postalischer Gedenkbelege gewürdigt. Dazu gehört insbesondere ein Sonderstempel der Deutschen Post – der als Motiv neben der Zweckinschrift das Gebäude zeigt – welcher vom Berliner Grafiker Hans-Joachim Wolff in hervorragender Weise gestaltet.

Dieser Stempel kündet weltweit von dem Jubiläum in Arnstadt und kann von der Stempelstelle in Weiden ab dem 24. Oktober von Interessenten abgefordert werden. Weiterhin können ein Sonderumschlag und ein Schmuckblatt am Verkaufsstand der Philatelie in der Schule am Ausstellungstag erworben werden.

Diese Belege tragen eine Frankatur und sind mit dem Sonderstempel entwertet. Nach den Regularien der Deutschen Post wird sich allerdings der Sonderstempel leider nicht für direkte Abstempelungen in Arnstadt befinden, also weder am Philateliestand noch im Postamt.

Dafür wird ein Briefkasten aufgestellt, in den jedermann seine Post einwerfen kann, die mit dem Sonderstempel versehen werden soll. Die Abstempelung wird dann im Philateliezentrum der Post in Weiden zeitnah durchgeführt. Für spezielle Fragen steht Besuchern der Ausstellung und Interessenten das Philatelie-Team in der Schule am 24. Oktober in der Zeit von 9 bis 18 Uhr zur Verfügung.

 

 

Gothaer Verein hat die meisten Sammler

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Gotha. Vor 125 Jahren haben Briefmarkensammler in Gotha begonnen, sich in einem Verein zu organisieren. Der besteht bis heute. Und jetzt ist ihm ein besonderer Clou gelungen.
 
Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD/rechts) ist ebenfalls Mitglied Briefmarken-Sammler-Verein 1890 Gotha. Foto: Lutz Ebhardt

 

 

 

 

Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD/rechts) ist ebenfalls Mitglied im
Briefmarken-Sammler-Verein 1890 Gotha. Foto: Lutz Ebhardt

 

Gotha. Wer denkt, Briefmarken sammeln ist nur etwas für die ältere Generation, der irrt gewaltig. Bundesweit üben 39 000 Mitglieder in 1200 Vereinen und Arbeitsgemeinschaften diese Sammelleidenschaft aus. Selbst Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) kennt sich mittlerweile in der Materie aus. Als Mitglied des Briefmarken-Sammler-Vereins 1890 Gotha hat er mit die Initiative ergriffen, den 114. Deutschen Philatelistentag in die Residenzstadt zu holen.

 

Am Donnerstag wurde der Philatelistentag mit einer Briefmarkenpräsentation im Historischen Rathaus eröffnet. Er soll bis zum Sonntag Freunde, Fachleute, Philatelisten und Briefmarken-Sammler aus aller Welt in die Residenzstadt führen. Ausstellungen, Fachvorträge, Diskussionen über den Sachstand und die Zukunft der Philatelie sind die Schwerpunkte der Veranstaltung. Zudem werden die höchsten Auszeichnungen des Bundes Deutscher Philatelisten an verdiente Mitglieder vergeben. Nach einem nur wenig erfolgreichen Erstversuch im Jahre 1872 wurden am 18. August 1889 in Mainz der „Rheinische Philatelistentag“ und gleichzeitig der „Erste Deutsche Philatelistentag“ veranstaltet. Bis auf wenige, oft kriegsbedingte Ausnahmen wurden die Deutschen Philatelistentage jährlich abgehalten. Nach Beschluss der Hauptversammlung des Bundes Deutscher Philatelisten im Jahr 2009 findet er seither in zweijährigem Rhythmus statt. Uwe Decker (49), neu gewählter Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten, ist sich der Bedeutung der dreitägigen Präsentation bewusst und ist froh, im Gothaer Verein und seinem Vorsitzenden Eckehard Fromm einen kompetenten Ansprechpartner an der Seite zu haben. Der Gothaer Verein ist mit 74 Mitgliedern der größte Verein in Thüringen.

Cornelia Möller / 04.09.15 / TLZ
 

Vor 175 Jahren: die erste Briefmarke der Welt klebt auf einem Brief

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02.05.2015

In Zeiten der E-Mail kaufen viele Menschen Briefmarken nur noch für die Urlaubskarte oder die Weihnachtspost. Die Einführung der kleinen Papier-Aufkleber war vor 175 Jahren eine große Sache – und krempelte das Postwesen auf der ganzen Welt um.

   

Die erste Briefmarke der Welt, „die Penny Black“ aus England. Sie wird 175 Jahre alt. Foto: Georgios Kefalas

London. In Zeiten der E-Mail kaufen viele Menschen Briefmarken nur noch für die Urlaubskarte oder die Weihnachtspost. Die Einführung der kleinen Papier-Aufkleber war vor 175 Jahren eine große Sache – und krempelte das Postwesen auf der ganzen Welt um.

Sie sieht unspektakulär aus, die erste Briefmarke: Ein etwa 19 mal 22 Millimeter großer, schwarzer Papierschnipsel. Oben steht „Postage“, englisch für Porto, unten „One Penny“, dazwischen in weiß der Kopf einer jungen Frau mit Krone und Pferdeschwanz. Für Sammler ist es nicht mal besonders außergewöhnlich, die „Penny Black“ im Album zu haben. Doch als sie vor 175 Jahren – im Mai 1840 – erstmals auf britischen Briefen klebte, löste sie eine kleine Post-Revolution aus.

„Jahrelang war es extrem teuer, einen Brief zu verschicken, und es war kompliziert zu berechnen, was es kosten würde. Außerdem bezahlte der Empfänger die Kosten“, beschreibt Richard West die Lage vor 1840. Der Experte macht bei der Londoner Königlichen Philatelie-Gesellschaft mit. Philatelie ist der Fachbegriff für Briefmarkenkunde.

Das komplizierte Verschicken von Briefen störte Rowland Hill. Er lebte von 1795 bis 1897. Der englische Lehrer fand heraus, dass „die Kosten viel geringer wären, wenn der Absender die Kosten übernähme“, sagt Richard West, „und zwar mit einer einzigen, einfachen, niedrigen Gebühr, die vom Gewicht abhing.“

Als Motiv schien Rowland Hill die Seitenansicht der jungen Königin Victoria geeignet. Von Anfang Mai 1840 an gab es die Marken zu kaufen. Offiziell gültig waren sie ab 6. Mai. Da Großbritannien zunächst das einzige Land mit Briefmarken war, stand der Ländername nicht darauf. Das hat sich bis heute nicht geändert, eine Einzigartigkeit britischer Marken.

Etwa ein Jahr blieb die „Penny Black“ in Gebrauch, dann wurde sie von der „Penny Red“ – einer roten Version – abgelöst. Der Grund: Eine rote Marke konnte Schwarz abgestempelt werden. Die schwarze Farbe ließ sich schwerer abwischen und Betrug damit vermeiden.

„Die Leute fanden es gut, dass einen Brief zu verschicken billiger wurde“, sagt Richard West. „Es wurde viel mehr Post verschickt.“ Dass einen Standardbrief zu verschicken nur einen Penny kostete, blieb übrigens bis 1914 so. Für schwerere Post gab es bald auch Zwei-Pence-Marken.

Andere Länder zogen nach. Anfang 1849 führte Frankreich die erste Marke ein. Auf deutschem Boden machte Ende des selben Jahres das Land Bayern mit dem „Schwarzen Einser“ den Anfang. Dieses Jahr feiern Deutschland und Großbritannien das Jubiläum der „Penny Black“ mit Sondermarken. Das britische Postmuseum organisiert eine Sonderausstellung.

Immer mehr Postverkehr blieb nicht die einzige Folge der Erfindung: Schon nach wenigen Jahren traten die Sammler auf den Plan. 1856 gründete einer der bis heute bekanntesten Briefmarkenhändler, Stanley Gibbons, sein Geschäft. Die Königliche Philatelie-Gesellschaft London ist die älteste der Welt, gegründet 1869. George V. wurde vor seiner Thronbesteigung ihr Präsident und blieb auf als König noch Schirmherr, heute hat die britische Königin Elizabeth II. diese Position inne.

Die deutschen Vereine für Briefmarkensammler haben zusammen etwa 39 000 Mitglieder in 1200 Vereinen und Arbeitsgemeinschaften, sagt der Präsident des Bunds Deutscher Philatelisten, Uwe Decker. Eine „Penny Black“ dürften viele davon besitzen, denn die Marken seien bei Versteigerungen nicht schwer zu kriegen: „Sie kosten 100 bis 200 Euro, je nach Zustand und Stempel.“

Demnächst gibt es in London aber eine Versteigerung von besonders wertvollen Einzelstücken. So soll ein Brief mit der „Penny Black“-Briefmarke ein neuen Besitzer finden. Das Besondere: Der Brief hat den Poststempel vom 6. Mai 1840, also dem Tag, an dem erstmals Briefe mit dieser Briefmarke verschickt wurden. „Da reden wir über einen Startpreis von 10 000 Euro“, sagt Experte Uwe Decker. Am Ende kann der Brief noch viel, viel teurer sein.

Und wie sieht es heute? Eine Marke gehört immer noch auf einem Brief . Damit wird der Transport des Briefes nämlich bezahlt.

Wer einen normalen Brief innerhalb von Deutschland verschicken möchte, braucht dafür im Moment eine 62-Cent-Marke. Dafür holt die Deutsche Post den Brief aus dem Briefkasten und transportiert ihn in den Ort, der in der Adresse steht.

Um das zu schaffen, hat das Unternehmen viele Lastwagen und sogar Flugzeuge. Auch mit dem Zug wird Post transportiert. Innerhalb von Deutschland dauert es meist nur einen Tag, bis ein Brief am Zielort ankommt. Dort übernehmen dann die Briefträger – und einer von ihnen steckt den Brief schließlich beim Empfänger in den Briefkasten.

Ganz schön viel Arbeit für 62 Cent, oder? Aber natürlich fährt die Post nicht jeden einzelnen Brief durch Deutschland, sondern immer viele Briefe auf einmal. Und viele Male 62 Cent ist schon viel Geld.

Die Deutsche Post hatte den Preis für eine normale Briefmarke zuletzt zwei Mal in kurzer Folge teurer gemacht. Einer der Gründe dafür ist, dass immer mehr Leute Emails schreiben anstelle von Briefen. Und wenn weniger Briefe verschickt werden, muss eine einzelne Briefmarke etwas teurer sein. Damit alles bezahlt werden kann.

Teresa Dapp, Redaktion TLZ, dpa / 02.05.15 / TLZ

 

Weimarer Land: Wie Lutz Opitz Kinder für Briefmarken begeistert

05.01.2015

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Seit 42 Jahren kann Lutz Opitz aus Magdala junge Leute für Briefmarken begeistern. Der Lehrer a.D. ist nun 70 Jahre alt geworden.

   

"Kinder mögen Tiermotive", sagt Lutz Opitz. Er selbst hat sich spezialisiert auf Marken mit Meeressäugetieren, deutscher Kunst und großen Entdeckern. Foto: Sabine Brandt

Magdala. Wer das Glück hat, von Lutz Opitz zum Briefmarkensammeln angeregt worden zu sein, dem erschließen sich ganze Welten an Wissen, an Erlebnissen und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass das Sammeln von Postwertzeichen alles andere als eine introvertierte Übung sein kann.

Neben Magdala, wo Opitz als Lehrer für Geschichte, Sport und Englisch gearbeitet hat, gibt es mit Schleiz im ganzen Land nur noch einen weiteren Ort, an dem die Philatelie unter jungen Leuten noch immer so großen Zuspruch genießt. Lutz Opitz hat die Arbeitsgemeinschaft junger Philatelisten Magdala vor 42 Jahren gegründet und seither viele Räder in Bewegung gesetzt, um Kinder für dieses schöne, in Zeiten elektronischer Post aber immer exotischer werdende Hobby zu begeistern.

Heute wird er 70. Allerhöchste Zeit, um mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Auf welchem Weg sind Sie eigentlich selbst angesteckt worden vom Sammelfieber?

Ich war elf oder zwölf, wohnte damals in der Nähe von Zeitz, als mir ein Freund ein ganz, ganz kleines Album schenkte mit vielleicht zehn Briefmarken. Damit fing alles an.

Wer an die 60 Jahre sammelt, dürfte über einen beeindruckenden Bestand verfügen...

(Lutz Opitz Ehefrau Annegret kommt ihm bei der Antwort zuvor: "Das Wohnzimmer ist tabu", sagt sie und lacht, "ansonsten haben wir das Haus voll.") Mein Zimmer ist voll mit Alben. Nun sammle ich ja auch noch Material für die Jugend.

Beim letzten Kinderfest hatten Sie einen großen Karton hingestellt, randvoll mit Marken, und die Aufgabe gestellt: Finde den Dino. Sofort bildeten sich Trauben um die Kiste.

Selbst Erwachsene suchen da gerne mit. Wühlkisten sind gut, um das Interesse zu wecken.

Sie vertreten die Deutsche Philatelistenjugend Thüringen im Dachverband.

Ja, im Moment noch. Den Vorsitz gebe ich aber im März ab. Wenn man 70 ist, sollte man keinem Jugendverein mehr vorstehen. Die Junge Philatelie hier vor Ort geht natürlich weiter. Zur Zeit leite ich drei Gruppen: eine in Magdala, an der Waldorfschule Weimar und seit zwei Jahren eine an der Grundschule Großschwabhausen.

Ist es für Kinder heute noch selbstverständlich zu wissen, was es mit Briefmarken auf sich hat?

Ja, auch wenn das Interesse am Sammeln früher größer war. Aber ich traue mir zu sagen, dass es überall Kinder gibt, die man für Briefmarken interessieren kann. Überall.

Dafür sind Leute nötig, denen es gelingt, diese Neugier wachzukitzeln.

Ich hatte neulich mit einem älteren Sammler gesprochen, der klagte darüber, dass die Jugendphilatelie zugrunde geht. Den Satz höre ich seit zehn Jahren. Die meisten erwachsenen Sammler kümmern sich aber kaum um den Nachwuchs. Es gibt über 50 Vereine in Thüringen. Die wenigsten davon haben überhaupt eine Jugendgruppe.

Wo liegt deren Altersdurchschnitt?

Bei sechzig plus.

Ihnen sieht man die 70 Jahre überhaupt nicht an.

Die Arbeit mit den jungen Leuten hält mich in Schwung. Ich fühl mich auch nicht wie 70.

Früher waren die Jungen Philatelisten an die Schulen angegliedert.

Wie alle Arbeitsgemeinschaften. Vor der Wende hatten wir davon rund 30, danach nur noch vier. Trotzdem ist es in kleineren Orten wie Magdala immer noch leichter, neugierig auf eine AG wie unsere zu machen. In großen Städten ist das schwieriger.

Haben Sie eine Vorstellung, wie viele Kinder seit 1972 bei den Jungen Philatelisten in Magdala mitgemacht haben?

Mehr als zweihundert. Zur Zeit sind es über dreißig.

In Magdala dürfte es kaum eine Familie geben, in der nicht irgendjemand zu irgendeiner Zeit unter Ihrer Anleitung Briefmarken gesammelt hat. Wie schafft man es, ganze Generationen bei der Stange zu halten?

Das ist schwer. Es gibt meist einen Bruch, wenn die Kinder die Schule verlassen. Mit 15, 16 wechseln die Interessen. Aber das Schöne ist: Es kommen immer wieder neue Kinder dazu.

Briefmarkensammeln ist bei Ihnen immer viel mehr als nur das Zusammentragen von Marken gewesen.

Nur Sammeln wird auf die Dauer..., naja, nicht langweilig. Aber man muss auch ein bisschen was für die Begeisterung tun. Wir machen unheimlich viel nebenbei, gehen zum Bowling, Eislaufen, in den Erfurter Zoo, fahren einmal im Jahr zum Erlebniswochenende nach Oberhof. Dieses Jahr kamen 35 Kinder und Jugendliche mit. Und wir vergeben Diplome und Golddiplome. Wer eines davon erlangt, kann selbst mit in die Jugendarbeit einsteigen und sein philatelistisches Wissen an Jüngere weitergeben. Unser ältestes Mitglied ist übrigens mit über 50 Thomas Beck, der Getränkehändler. Er war als Kind schon dabei, sammelt heute noch und sponsort uns öfter. Es geht um die Gemeinschaft, darum, gemeinsam etwas zu erleben.

Briefmarkensammler hält man ja schnell für eher in sich gekehrte Typen. In Magdala aber schaffen die Briefmarkensammler ein großes soziales Miteinander.

Ich halte es für wichtig, viel zu unternehmen. Wir machen Jugendarbeit mit Hilfe der Philatelie, haben schon viele mehrtägige Exkursionen gemacht, waren in Berlin, Dresden, Trier trafen dort den Bundesvorsitzenden der Deutschen Philatelisten. Nur voriges Jahr konnten wir keine Fahrt machen, weil unser sehr, sehr guter Mitstreiter, Ingo Röhler, leider verstorben ist.

Haben Sie schon jemanden in Aussicht, dem Sie eines Tages den Staffelstab in die Hand drücken können?

Ein, zwei Personen kommen dafür in Frage. Aber beide sind zeitlich stark beansprucht. Ich arbeite seit Jahren daran, einen Nachfolger zu finden.

Hat die Briefmarke eine Zukunft?

Da bin ich ganz optimistisch. In Asien, zum Beispiel, boomt das Briefmarkensammeln seit etwa zehn Jahren.

Sie selbst haben Briefpartner in aller Welt.

Über zwanzig, in Neuseeland, Australien, Malaysia, Ecuador, Argentinien. Das ist es ja gerade, was mich schon immer fasziniert hat. Als ich mit zwölf Jahren anfing zu sammeln, dauerte es kein Jahr, als ich den ersten Briefpartner in Holland hatte. Wir stehen heute noch in Kontakt. Er war der erste, der meine Frau und mich nach dem Mauerfall zu sich einlud.

War es problematisch, vor der Wende mit Briefpartnern im Westen zu korrespondieren?

Ich jedenfalls hatte nie größere Schwierigkeiten. Briefmarkentausch lief in der DDR über Kontrollstellen. Ich hatte nur mal Probleme mit einem Brief an eine Freundin in der Sowjetunion, der ich 20 gestempelte Marken schicken wollte. Der Brief kam zurück mit der Bemerkung, er verstoße gegen die Zollbestimmungen der DDR.

Seit zwei Jahren wiederum habe ich einen Briefpartner in Jordanien, einen ganz interessanten Mann. Er hatte unserer Jugendgruppe Marken geschickt, aber nicht deklariert. Plötzlich bekam ich einen Anruf vom Zoll, der wissen wollte, wie hoch der Wert dieser Marken ist. Was soll man da sagen. Sammlermarken haben einen symbolischen Wert. Der Katalogwert lag vielleicht bei 60 Euro.

Sie haben noch ein anderes Hobby...

Ich reise gern. Das hängt natürlich mit dem Briefmarkensammeln zusammen. Meine Frau und ich waren in Neuseeland, Alaska, Costa Rica, Namibia, im Oman, das war fantastisch. Wir haben von der Welt was gesehen, aber ich habe immer noch Träume.

Was brennt Ihnen aktuell auf den Nägeln?

Viel. Ich würde gerne noch nach Kanada und durch die Vereinigten Staaten reisen.

Sabine Brandt / 05.01.15 / TLZ

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